Die Landesgruppe Ost der SPD-Bundestagsfraktion blickt mit großer Sorge auf die heutigen Beratungen des Volkswagen Aufsichtsrats. Sollte der Aufsichtsrat tatsächlich die Schließung des Standorts Zwickau beschließen, wäre dies weit mehr als eine unternehmerische Entscheidung. Es wäre ein schwerer industriepolitischer Fehler mit weitreichenden Folgen für Ostdeutschland und den Industriestandort Deutschland.
Zwickau ist kein Sanierungsfall. Zwickau ist das modernste Werk des Volkswagen Konzerns und eines der produktivsten Automobilwerke Europas. Mehr als 1,2 Milliarden Euro wurden in den vollständigen Umbau zur Elektromobilität investiert. Die Beschäftigten haben diesen tiefgreifenden Wandel mit Kompetenz, Engagement und großer Loyalität getragen. Erst vor wenigen Wochen feierte Volkswagen in Zwickau das einmillionste Elektrofahrzeug und bezeichnete den Standort selbst als Vorreiter der Transformation und als Zukunftsstandort.
Kathrin Michel, Vorsitzende der Landesgruppe Ost der SPD-Bundestagsfraktion, erklärt:
„Wer heute das modernste Werk schließt, stellt nicht nur einen Standort infrage – er stellt die Glaubwürdigkeit der industriellen Transformation in Deutschland infrage. Die Beschäftigten in Zwickau haben bewiesen, dass Wandel gelingt. Sie haben Verantwortung übernommen, Veränderungen mitgetragen und mit ihrer Kompetenz den Erfolg des Standorts möglich gemacht. Jetzt ist es an Volkswagen, Verantwortung zu übernehmen und zu seiner Zukunft in Zwickau zu stehen.“
Unternehmerische Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung gehören zusammen. Volkswagen ist stark geworden, weil der Erfolg unseres Industriestandorts auf einem Dreiklang beruht: auf mutigen unternehmerischen Entscheidungen, hochqualifizierten und engagierten Beschäftigten sowie verlässlichen politischen Rahmenbedingungen. Hinzu kommt ein vierter Erfolgsfaktor, der Deutschland weltweit auszeichnet: die Mitbestimmung. Sie sorgt dafür, dass Veränderungen gemeinsam gestaltet werden, stärkt das Vertrauen in schwierigen Zeiten und macht Unternehmen langfristig erfolgreicher.
Wer von diesem Modell profitiert, trägt auch Verantwortung für seinen Erhalt. Große Unternehmen tragen Verantwortung für ihre Beschäftigten, ihre Regionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Verantwortung endet nicht an der Werkspforte und nicht mit dem nächsten Quartalsbericht.
Wer heute ausgerechnet dieses Werk infrage stellt, muss erklären, welches Signal damit an Beschäftigte, Unternehmen und Investoren gesendet werden soll. Wer Menschen auffordert, Veränderungen mitzutragen, muss ihnen auch eine Perspektive geben. Transformation gelingt nur, wenn Zusagen Bestand haben.
Eine Schließung würde weit über Zwickau hinaus wirken. Tausende Arbeitsplätze in der Fahrzeugproduktion, bei Zulieferern, im Handwerk und in der Logistik hängen an diesem Standort. Sie würde das Vertrauen in den industriellen Wandel erschüttern – gerade in einer Region, die sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder erfolgreich neu erfunden hat.
Die Landesgruppe Ost steht klar an der Seite der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaften. Mitbestimmung ist kein Wettbewerbsnachteil, sondern eine der größten Stärken des deutschen Industriemodells. Deshalb lehnen wir jede Aushöhlung der Mitbestimmung oder des Volkswagen-Gesetzes entschieden ab.
Volkswagen braucht eine überzeugende Zukunftsstrategie – nicht den Abbau seiner leistungsfähigsten Standorte. Wettbewerbsfähigkeit entsteht durch Innovation, neue Produkte, technologische Führungsrolle und qualifizierte Beschäftigte, nicht durch Kahlschlag.
Wir erwarten vom Volkswagen Vorstand und vom Aufsichtsrat ein klares Bekenntnis zum Standort Zwickau. Wer die Transformation erfolgreich gestalten will, darf seine Vorzeigewerke nicht schließen.
Die Landesgruppe Ost fordert:
- Keine Werksschließung in Zwickau und den Erhalt der industriellen Arbeitsplätze.
- Eine belastbare Zukunftsperspektive für den Standort.
- Den uneingeschränkten Erhalt von Mitbestimmung und Volkswagen-Gesetz.
- Die konsequente Weiterentwicklung des Standorts, insbesondere in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Batterietechnologien und Elektromobilität.
- Einen engen Schulterschluss von Unternehmen, Politik und Gewerkschaften für eine starke industrielle Zukunft Ostdeutschlands.
„Ostdeutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen, dass Transformation gelingen kann. Wer heute ausgerechnet eines der erfolgreichsten Werke schließt, sendet ein verheerendes Signal an alle Beschäftigten, die bereit sind, Wandel mitzutragen. Zwickau ist kein Auslaufmodell. Zwickau ist ein Zukunftsstandort. Deutschlands industrielle Zukunft entscheidet sich nicht im Abbau seiner stärksten Standorte, sondern im Mut zu Innovation, Mitbestimmung und gesellschaftlicher Verantwortung“, so Michel abschließend.